Vogelbeobachtung in Indien
Birds of India

 

VOGELBEOBACHTUNG IN INDIEN
- Von Vikram Nanjappa

Der indische Subkontinent ist mit über 1300 verschiedenen Vogelarten, was soviel wie 13% der Vogelweltbevölkerung entspricht, eines der reichsten Vogelgebiete der Welt. Dazu gehören 141 einheimische Arten, 159 Vogelbesucher im Winter, 19 Zugvögel und über 100 Arten von Wandervögeln. Es werden ständig neue Arten hinzugefügt, die vor allem aus den ornitologisch wenig bekannten Gebieten der nordöstlichen Staaten Indiens kommen. Es gab sogar Wiederentdeckungen von Vögeln, die für ausgestorben gehalten wurden.
Es gibt viele Gründe für diesen Reichtum. Einer dieser Gründe sind die unterschiedlichen Höhenstufen die vom Meeresspiegel bis hinauf in die Höhen des Himalajas reichen (die weltweit größte Gebirgskette). Dies führt zu einem sehr abwechslungsreichen Klima und die daraus resultierende Vielfalt der Vegetation. Ein anderer wichtiger Grund ist die geografische Lage, in der sich drei biogeografische Regionen überschneiden.
Es gibt große klimatische Kontraste, die von der regenlosen Wüste in West-Indien, bis hin zu den von Regen durchzogenen Wäldern im Osten (hier gibt es auch die höchste Niederschlagsmenge in der Welt), bis hin zu den eisigen Bedingungen in den Höhen des Himalajas reichen. Ähnliche Kontraste gibt es auch in den Temperaturen.
Die wichtigsten Lebensräume der Vögel lassen sich grob wie folgt aufgliedern.
Wälder: In Indien gibt es eine große Vielfalt an verschiedenen Waldtypen. Mangrovenwälder an der Küste, immergrüne Wälder, Laubwälder, Nadelwälder und gemäßigte Wälder. Rund zwei Drittel der einheimischen Vögel kann man in diesen Wäldern vorfinden.
Untergestrüpp: Untergestrüpp wächst dort, wo der Boden arm und dünn ist. Relativ wenige Vögel findet man allein im Gestrüpp, die meisten halten sich in dem Gestrüpp auf, welches in Wiesen, Sümpfen und Waldrändern zu finden ist.
Feuchtgebiete: Es gibt eine breite Palette von Feuchtgebieten über das ganze Land verstreut. Sie bieten einer großen Anzahl von Wasservögeln eine Heimat. Sie bilden eine große Landefläche und sind auch Überwinterungsgründe für die Wasserzugvögel.
Über 33 Vogelarten der Feuchtgebiete sind weltweit bedroht.
Grünland: Das saisonbedingt überflutete Grünland erstreckt sich an den Füßen des Himalajas entlang und läuft weiter in die Auen der zahlreichen Flüsse dieser Regionen. Es gibt auch trockenes Grasland in den Wüsten und Grasland in den Halbinsel-Regionen.
Diese Gebiete bieten charakteristischen Vogelgruppierungen, vor allem von einheimischen Vogelarten, eine Heimat. Die meisten von ihnen sind allerdings in ernsthafter Gefahr, da die Landwirtschaft immer weiter in die Graslandschaften vordringt.
Wüste: Die Wüste Thar hat ein heißes Wüstenklima und das nordöstlich gelegene Berggebiet von Ladakh hat ein kaltes Wüstenklima.
Küstengebiete: Der Subkontinent hat eine weit reichende Küstenlinie und Seevögel-Kolonien brüten vor allem auf den Inseln des Indischen Ozeans.
Es gibt neunundneunzig Schutzgebiete für die Vogelarten, die auf dem Subkontinent brüten, wie zum Beispiel die Landvögel, die ein Zuchtgebiet von ca. 5000 Quadratkilometern haben. Diese sind oft nicht isolierte Flecken eines bestimmten Lebensraumes und bekannt als Zentren der Endemie. Es gibt 8 solcher Zentren auf dem Subkontinent.
Bei einer solchen Vielfalt von Arten und Lebensräumen, kann es durchaus nützlich sein, einige Vorschläge hinsichtlich der Vogelbeobachtungen in Indien anzubieten.
Da Vögel den ganzen Tag über beschäftigt, jedoch am frühen Morgen am aktivsten sind, ist der Morgen die beste Zeit, um sie zu beobachten. Der Vogelgesang kann auch eher in den frühen Morgenstunden gehört werden und es ist wichtig, Vögel durch ihre Rufe identifizieren zu können.
Der Wald kann für den Neuling von Vögeln verlassen erscheinen, tatsächlich aber ist das genaue Gegenteil der Fall. Der Trick ist es, eine gemischt jagende Vogelgruppe auszumachen. Dies ist ein charakteristisches Merkmal in den indischen Wäldern. Die Vögel fliegen nicht einheitlich, sondern in kooperativen Gruppierungen verschiedener Arten ihre mehr oder weniger regelmäßigen Routen. Man findet fast alle Vogelarten der Region und sie sind überall – auf dem Boden, zwischen den Büschen, auf den Zweigen der Bäume und in den obersten Baumwipfeln.
Der Ficus-Baum lockt eine Vielzahl von Vogelarten an, wenn er seine reifen Feigenfrüchte trägt. Damit ist der Ficus-Baum ein ausgezeichneter Platz zur Vogelbeobachtung. Darüber hinaus blühen einige Baumarten während der Trockenzeit, wie zum Beispiel die Baumwollseide, die Korallenbäume und die
„Flammen des Waldes”-Bäume. Sie bieten mit ihren kahlen und blätterlosen Zweigen eine optimale Sicht auf die verschiedenen Vogelarten.
Die nächste großartige Zeit zur Vogelbeobachtung ist nach den ersten paar kräftigen Monsun-Niederschlägen. Die geflügelten Termiten verlassen ihre Behausungen im Erdreich für ihren Hochzeitsflug und locken so jegliche Spezies in der Region an. Schwärme von Vögeln stürzen sich auf die Termiten und sie werden sowohl auf der Erde als auch in der Luft gejagt. Die Jheels oder auch Dorftümpel sind im Winter kleine Wasserparadiese für den Wächtervogel. Doch fast alle Arten von Wasservögeln, die, die im Schilfgras oder die, die an den Randgebieten leben, finden sich dort in den frühen Morgenstunden ein.
 
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