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Regentage
- Von Vikram Nanjappa |
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| Der Monsun kam früh und in den letzten Tagen regnete es fast ununterbrochen. Der See füllte sich mit Regenwasser und die Elefantenkühe begannen ihre Familien zurück in den Dschungel zu führen. Die große Elefanten-Show kam zu einem vorzeitigen Ende. |
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| Ich war mir sicher, dass wir nur wenige Wildtiere zu sehen bekommen würden, so wie immer bei Regen, und so starteten wir unsere Safari mit relativ geringen Erwartungen. Es begleiteten mich zwei Gäste aus Belgien und ihr Kleinkind. Sie hatten von den Elefantenversammlungen in Kabini gehört und so ihren Urlaub an das Ende des Sommers gelegt. Trotzdem war das Wetter nicht sehr freundlich. |
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| Nach einer kurzen Absprache mit unserem Fahrer Chamaraj entschied ich, nicht in Richtung See zu fahren, sondern stattdessen die andere Seite zu erkunden. Als wir die Hauptstraße verließen und uns auf dem Nebenpfad befanden, stellten wir einige Bewegungen im Unterholz fest und ich erkannte mit einem Seufzer der Erleichterung, einen grasenden Elefantenbullen im Gestrüpp. Ich war mir sicher, dass dieser Elefant wohl der Einzige auf dieser Safari sein würde und so wartete ich ein wenig, um dem Elefanten Zeit genug zu geben, aus dem Unterholz hervorzukommen, damit meine Gäste eine perfekte Sicht auf ihn bekommen konnten. Es war ein prächtiges Tier. Wir fuhren ein wenig weiter und sahen wenig später einen sogar noch größeren Elefantenbullen. Ich dachte, dass immerhin die Reise meiner Gäste nicht umsonst gewesen war, denn sie schienen sehr zufrieden mit diesen beiden Prachtexemplaren zu sein. |
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Wir setzten unsere Fahrt fort und wie schon gedacht, sahen wir für eine geraume Zeit lang nicht mehr viel.
Zu allem Überfluss, fing es auch noch an kräftiger zu regnen und wir mussten unsere Kapuzen tief ins Gesicht ziehen, so dass wir unsere Sichtweite damit erheblich einschränkten. Wir fuhren lustlos weiter, als plötzlich Chamaraj in die Bremsen trat. Dort vor uns aus dem Gebüsch starrte uns ein Lippenbär an.
Er sah uns und verschwand im Unterholz. Allerdings schafften wir es, einen guten Blick auf ihn zu werfen bevor er sich aus dem Staub machte. Vergnügt und glücklich über unseren Fund fuhren wir weiter. |
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| Nach einer kurzen Fahrt stießen wir auf ein paar Gaurs bevor der Regen schwächer wurde. Nach einiger Zeit hörte es auf zu regnen und wir beschlossen die Abdeckung des Fahrzeuges zu entfernen. Es war eine Erleichterung endlich wieder in der Lage zu sein, stehen zu können, insbesondere, da ich an Klaustrophobie leide und ein geschlossener Jeep meine Vorstellung von Hölle ist.
So befreit, schickte ich ein stilles Gebet an Mutter Natur als plötzlich ein Rudel Wildhunde vor uns auftauchte. Nenn mich abergläubisch, aber wann immer ich mit Mutter Natur rede, antwortet sie mir. |
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| Die Wildhunde waren ziemlich dreist und kamen dem Jeep recht nahe. Wir konnten zehn Hunde (drei ausgewachsene Tiere und sieben Jungtiere) zählen, bevor sie im Gänsemarsch davon trabten.
Wir hatten nun fast das Ende unserer Safari erreicht und waren sehr zufrieden mit dem Ausgang der Fahrt. Wir stimmten überein, dass es ein unvergessliches Erlebnis gewesen war. |
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| Als wir auf die Hauptstrasse zurückkamen, hörte ich einige alarmierende Rufe und wir stoppten den Jeep sofort. Wir warteten eine Weile und lauschten den sporadisch fortsetzenden Rufen. Gerade als ich beschloss weiterzufahren, da es dunkel wurde und ich mir Sorgen um das Kleinkind machte, blickte ich über meine Schulter und sah zwei Leoparden die Straße überqueren. Ich zeigte sie meinen Gästen und trotz der weniger guten Sicht, konnten sie einen wunderschönen Blick auf diese zwei prächtigen Leoparden erhaschen. |
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| Wir fuhren weiter und ich war in Eile, da es nun wirklich rabenschwarz um uns herum war und erneuter Regen drohte. Als wir an der T-Kreuzung ankamen, sahen wir eine schwarze Gestalt in unserem Scheinwerferlicht. Die schwarze Gestalt war ein anderer Lippenbär. |
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| Wie vom Blitz getroffen und ohne Worte über meine Lippen zu bringen, verbrachte ich den Rest des Abends damit, den Klängen des herannahenden Donners zu lauschen. Die Natur erinnerte mich wieder einmal daran, wie einzigartig und voll von Überraschungen sie war und das ich sie niemals für selbstverständlich hinnehmen darf. |
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| Jedes Mal, wenn ich nun in den Dschungel gehe, gehe ich ohne vorgefasste Meinung. |