Nagarahole
Nagarahole Nationalpark
 

NAGARAHOLE NATIONALPARK

   
 
Der 644 Quadratkilometer große Nagarahole Nationalpark liegt in den Coorg- und Mysorebezirken im Staat Karnataka in Südindien (1150 bis 1215 nördliche Breite und 76 bis 7615 östliche Länge). Er liegt in dem Gebiet, in dem die Westlichen Ghats in das Deccan Plateau übergehen. Der Nationalpark wird vom Bandipur Nationalpark im Südosten und dem Waynad Naturschutzgebiet im Südwesten flankiert. Zusammen mit diesen Nationalparks bildet er einen Teil des großen Nilgiri Biosphären Reservates, das eine Gesamtfläche von 5500 umfasst.
Nagarahole liegt auf einer Meereshöhe von 700 bis 960m mit dem Masal-Betta-Gipfel als höchstem Punkt und dem Fluss Kabini als niedrigstem. Das Erdreich ist im Allgemeinen roter sandiger Lehm. Es herrscht eine Durchschnittstemperatur von 20 – 27 Grad Celsius mit einem Maximum von 35 und einem Minimum von 10 Grad Celsius. Im Durchschnitt erhält das Gebiet jährlich einen Niederschlag von ca. 1000 bis 1500mm. Man kann das Gebiet grob in einen Zyklus von Regenzeit (Juni bis September), kühler Jahreszeit (Oktober bis Januar) und einer Trockenzeit (Februar bis Mai) einteilen.

Nagarahole wurde von den Lingayath-Königen von Kodagu und ihren Lehnsmännern regiert, bis Tipu, Sultan von Mysore 1850 eine Niederlage hinnehmen musste und die Britisch-Koloniale Vorherrschaft begann. Die heruntergekommenen Bewässerungstanks ließen darauf schließen, dass sich landwirtschaftliche Enklaven in dem bewaldeten Gebiet befanden. Während der Herrschaft der Lingayat-Könige, wurden die Wälder als allgemeiner Grundbesitz angesehen und Brandrodung und Nutzung von forstwirtschaftlichen Erzeugnissen, der im Wald wohnhaften Stämme, war weit verbreitet. Die Kolonialregierung führte 1860 ein Mandat zur Reglementierung von Brandrodung, zur Unterbindung von Agrar-Beanspruchung, zur Durchführung umweltverträglicher Ernten von Nutzholz sowie dem Anbau von Teakholzplantagen ein. Ab 1890 wurden allmählich die Wälder abgegrenzt und zum Regierungseigentum erklärt.

Nach der indischen Unabhängigkeit legte die Regierung großen Wert auf die Produktion von Nahrungsmitteln und das Sammeln von Nutzholz. Dies führte zu der Überführung und Ansiedlung von stammes- und nicht stammesangehörigen Gruppen in den „Hadlus“ oder in morastige Lichtungen. Diese stellten billige Arbeitskräfte für forstwirtschaftliche Tätigkeiten und für den Anbau von Reis dar.
1955 wurde eine Fläche von 285 Quadratkilometern zum Nagarahole-Jagd-Schutzgebiet erklärt. Zum selbigen wurden 1974 einige Wälder vom Mysore-Bezirk hinzugefügt, weshalb heute das Gebiet eine Gesamtgröße von 644 Quadratkilometern umfasst. 1983 wurde dem Park der Status Nationalpark verliehen.
Die Brahmagiri-Hügellandschaft bietet eine Kulisse mit vielen Flüssen und Strömen, die das wellige Terrain durchziehen. Der Kabini Fluss ist der Hauptfluss. Er mündet in den Nagarahole-Fluss und verleiht dem Park seinen Namen. Die anderen bemerkenswerten Flüsse sind die Lakshmana Theerha, der Taraka, der Hebba Halla und der Sarathi.
Die Vegetation im Nagarahole spiegelt die Verteilung des Niederschlags über den Park wieder. Die östlichen Teile des Parks sind nicht so regenintensiv wie die mittleren und westlichen Teile des Parks. Die zwei groben Waldtypen, die den Wald beherrschen sind der erdfeuchte Laubwald, in dem der jährliche Niederschlag 1000mm übersteigt und der trockene Laubwald, in dem der Regenfall geringer ist.
Beträchtliche Gebiete wurden kahl geschlagen und Monokulturen an Teakholz angebaut, sofern diese Pflanzungen nicht von sekundären Wäldern übernommen wurden. Es gibt auch verschiedene Mikrohabitate, wie den „Hadlus“. Das sind flache, lehmige Talsohlen die mit morastigen Savannen und kurzen Graslichtungen bewachsen sind und somit für Touristen eine hervorragende Aussicht auf das Wild gewähren. Doch ist das Gestrüpp und Unterholz auch ein Problem für weidende, wilde Rinderherden sowie bei Feuern, die sich schnell ausbreiten können.
Der feuchte Laubwaldtyp wurde klassifiziert als Lagerstreomia Microcarpa Tectona Grandis-Dillenia Pentagyna Serie. Diese Regionen haben eine 25 bis 30m höhere Baumkrone die von Terminalia Tomentosa, Sterospermum Chelenoides, Tectona Grandis, Lagerstroemia Microcarpa und Syzigum Cuminii dominiert wird. Die niedrigere Etage wird von Kydia Calycina, Dillenia Pentagyra, Cassia Fistula, Wrightia Tinctoria and Randia beherrscht.
Der trockene Laubwald wurde klassifiziert  als Latifolia-Tectonia Grandis-Terminalia Tomentosa Serie. Die oberen Baumkronen sind viel niedriger als die des feuchten Laubwaldes mit einer kaum erkennbaren unteren Baumkrone. Hier besteht ein üppiger Unterbewuchs bei dem natürlicher Strauchwuchs wie Cipadessa Baccifera, Hlectersis Isora und Adrissa Humilis und Eindringlinge wie Lantana Camora und Chromolaena Odorata vorherrschen.
Feuchte und gestörte Regionen sind eher von Bambus Bambusa Arundica bewachsen und beinhalten verschiedene Gräser und Seggen.
Der Fluss Kabini wurde 1974  für ein Bewässerungsprojekt angestaut, was eine Überflutung von großen Waldgebieten des Nationalparks und damit die Entstehung eines großen Stausees zur Folge hatte. Während der Trockenzeit wird das Wasser für die Bewässerung aus dem See gelassen, so dass nur noch der Hauptfluss sichtbar ist. Die entstandene offene Fläche unterstützt die Fülle an frischem Gras, was mehr an die afrikanische Savanne als ans tropische Indien erinnert. Dieses einmalige Microhabitat erwies sich als Geschenk für den Park, da frische Grasflächen erhalten bleiben, während der Rest des Parks austrocknet.
Das Nagarahole Ökosystem hat die größte Dichte an Pflanzenfressern in ganz Südostasien. Studien ergaben, dass die geschätzte Zahl an großen Pflanzenfressern bei 108 Tieren pro Quadratkilometer liegt. Große Pflanzenfresser sind definiert als Paarhufer und Primaten, die mehr als 5kg wiegen und auch Tiere wie Muntjak, Chital, Sambar, vierhörnige Antilope, Gaur, Wildschwein, Asiatischer Elefant, gemeine Langur und der Bonnet Macaque. Das ergibt eine Biomasse von 14746kg/qkm, was mit dem Mara Nationalpark in Afrika vergleichbar ist, der eine Biomasse von 19200kg/qkm besitzt.
Diese Pflanzenfresser, der Chital, Sambar, Gaur, Wildschwein, Muntjak und der verbreitete Langur sind Beutetiere der Tiger, Leoparden und Wildhunde. Tatsächlich stammen 98 % (Tiger) bzw. 90,5 % (Leopard) und 97% (Wildhund), der von diesen Tieren erlegten Biomasse von den genannten Beutetieren. Diese Pflanzenfresser sind grundsätzlich als Beutetiere klassifiziert und machen einen Anteil von 91% der Tiere/qkm aus. Beutetiere können weiter auf Basis des Körpergewichtes in klein (Langur, junger Chital und junges Schwein), mittel(Jährling und ausgewachsener Chital, Schwein, junger Sambar und Gaur) und groß (ausgewachsener Sambar und Gaur) unterschieden werden. Studien ergaben, dass die Tiger große, Leoparden mittlere und Wildhunde kleine Beutetiere bevorzugen. Weil die Verfügbarkeit an Beute in der jeweils entsprechenden Größe keine limitierte Ressource im Nagarahole Nationalpark darstellt, erleichtert der selektive Beutefang die Co-Existenz von großen fleischfressenden Tieren im Park.
Es gibt eine komplett räumliche Überlappung von Gebieten, die von diesen drei Raubtieren genutzt werden. Studien zeigten, dass alle drei Spezies denselben Lebensraum nutzen. Obwohl andere Studien darauf hin deuten, dass sowohl Tiger als auch Wildhund sozial den Leoparden beherrschen, so gibt es doch keinen Beweis für den Rückzug des Leoparden durch dieses dominante Verhalten. Jedoch gibt es ein Maß an zeitlicher Trennung der Jagdaktivität zwischen den Leoparden, Tigern und Wildhunden, die größtenteils von ihrer bevorzugten Beute und der Hetzjagd der Wildhunde beherrscht wird. Es scheint, dass im Nagarahole das Muster der zeitlichen Aktivitäten eher vom Beuteverhalten als von dem Bestreben sich aus dem Weg zu gehen ausgeht. Wegen der großen Verbreitung und der großen Baumdichte, ist es nicht notwendig Beute vor anderen Raubtieren zu verteidigen. Das erleichtert die Co-Existenz der großen Raubtiere im Nagarahole Nationalpark.
Die hauptsächlichen Gründe für die Co-Existenz der großen Fleischfresser im Nagarahole gegenüber der Savanne sind ökologische Faktoren wie zum Beispiel ausreichend adäquate Beute der richtigen Größe.
Die wichtigsten Gründe für das Zusammenleben von Großraubtierarten im Nagarahole Nationalpark, im Gegensatz zur afrikanischen Savanne, sind ökologische Faktoren, wie die ausreichende Verfügbarkeit von geeigneter Beute und deren Größe sowie ein dichter Sichtschutz durch eine hohe Baumdichte. Diese Faktoren gibt es in der afrikanischen Savanne nicht. Ebenso spielen die Verhaltensfaktoren hinsichtlich des spezifischen Lebensraums, der Wahl der Jagdreviere und der inner-spezifischen Dominanz im Nagarahole Nationalpark eine untergeordnete Rolle.
Der Nagarahole Nationalpark ist für administrative Zwecke in sieben Bereiche unterteilt. Die sieben Bereiche des Nagarahole Nationalparks sind:
Anechowkoor Wildlife Range (Old Arikeri Reserved Forest), Veeranahosalli Wildlife Range (Old Veerananhosalli State Forest), Mettikuppe Wildlife Range (Old Mettikuppe State Forest), Antarasante Wildlife Range (also Old Mettikuppe State Forest), B.B. Kuppe Wildlife Range (Old Kakankaote State Forest), Kallahalla Wildlife Range (Old Hatgat Reserved Forest) and Nagarahole Wildlife Range (Old Nalkeri Reserves Forest).
Die administrative Struktur ist wie folgt:
Field Director Project Tiger - Deputy Conservator of Forests - Assistant Conservator of Forests – Range Forest Officer – Forester – Forest Guard.
Im Nationalpark gibt es innerhalb eines Radius von 10 Kilometern eine Bevölkerung von etwas 120000 Menschen, die sich in die Dichte von 200 Personen pro Quadratkilometer aufgliedern. Daher ist der Nationalpark von einer Insel von Menschen umgeben, die das empfindliche Ökosystem stören können.
Es liegt an uns zu entscheiden, ob wir den Nagarahole Nationalpark auf den offenen Weltmarkt werfen wollen, oder ob wir ihn wie ein Heiligtum verehren und schützen und für zukünftige Generationen in seiner Einzigartigkeit bewahren und erhalten.