JUNGLE QUIZ

Die Raubtiere des Nagarahole Nationalparks

Der Nagarahole Nationalpark ist die Heimat einer großen Zahl von Raubtieren. Die drei wichtigsten Raubtiere unter ihnen sind: der Tiger, der Leopard und der Wildhund.
Wissenschaftliche Studien, durchgeführt von
Dr. K.Ullas Karanth, zeigen, dass diese drei Arten im Nagarahole Nationalpark in großen Mengen existieren.
Feldbeobachtungen und Dokumente scheinen ebenfalls die Koexistenz dieser drei Arten zu bestätigen.
Einige solcher Fälle sind unten aufgeführt.
  • Wildhunde wurden beim Säubern von Aas beobachtet, welches vorher von Tigern und Leoparden getötet und gefressen wurde.
  • Bei einer anderen Gelegenheit wurden Tiger und Leoparden weniger als 300 Meter voneinander entfernt bei ihrer getöteten Beute gesichtet, ohne von der Anwesenheit des anderen Tieres zu ahnen.
  • Ein anderes Mal war ein Rudel Wildhunde 50 Meter von einem ruhenden Tiger entfernt, ohne sich der Präsenz des anderen Raubtieres bewusst zu sein.
  • Einige Ereignisse zeigen aber auch, dass Leoparden vor Tiger und Wildhunden auf Bäume fliehen. Tiger haben sich angeeignet, Wildhunde und Leoparden zu töten.
Es ist zwar offensichtlich, dass der Dschungel ein Inbegriff des Koexistenz-Grundsatzes der Natur ist, doch wird es interessant sein, das Zusammenleben unter Raubtieren zu enträtseln. Wenn man von der Philosophie der Natur ausgeht, dass der Stärkere überlebt, müssen wir uns zuerst mit der Pflanzenfresserdichte und der Verfügbarkeit von Beutetieren in der Region befassen. Die Dichte und Vielfalt der Beutetiere können die Verbreitung von Raubtieren beeinflussen. Zum Beispiel: wird ein Gebiet nur von Hasen bewohnt, dann kann nicht erwartet werden, dass sich die Tiger hier lange aufhalten, da eine Hasen-Mahlzeit viel zu gering für einen Tiger wäre, unabhängig von der Anzahl der Hasen. Darüber hinaus bestimmt die Vielfalt der Beutetiere die Vielfalt der Raubtiere im Ökosystem.
Die Beutetierarten werden durch ihre Masse klassifiziert und sie werden in Kilogramm gemessen. Der Nagarahole Nationalpark ist die Heimat einer beträchtlichen Zahl von großen Pflanzenfressern (definiert von einem Gewicht von mehr als fünf Kilogramm). Es gibt sieben wichtige Arten von Huftieren und zwei Arten von Primaten, die zusammen auftretend, schätzungsweise 108 Tiere pro Quadratkilometer, bilden. Das durchschnittliche Körpergewicht der Tiere im Nagarahole Nationalpark beläuft sich auf die Biomassendichte von 14746 Kilogramm pro Quadratkilometer, während der Mara Nationalpark in Afrika eine Biomassendichte von 19200 Kilogramm pro Quadratkilometer aufweist. Die sieben wichtigsten Arten (Chital, Sambar, Gaur, Wildschwein, Muntjak, Langur) machen über 90% der Raubtiernahrung aus und sind somit die wichtigsten Beutearten. Studien zeigen, wenn eine Dichte von 91 Tieren pro Quadratkilometer gemessen wird, dann entsteht eine Summe von bevorzugter Biomasse für jeden Räuber hier in Prozent angegeben:
Tiger        : 97,6% (% von 7 Beutetierarten)
Leopard   : 89,2%
Wildhund : 96,8%
Es scheint offensichtlich, dass es eine Überschneidung in der Ernährung von Raubtieren gibt, d.h. Raubtiere jagen mehr oder weniger die gleichen Beutetierarten.
Da die Ergebnisse nicht beweiskräftig genug erscheinen, können andere Unterteilungen des
Beutetier/ Körpergewicht-Prinzips und das Maß an Selektivität der einzelnen Raubtiere hinsichtlich der Beutetiere, dieses Mysterium weiter entwirren.
Segmentierung/ Aufteilung nach Körpergewicht:
Klein:
Tiere, die zwischen 5-30 Kilogramm wiegen: Langur, junge Chitals und Ferkel
Mittel:
Tiere, die zwischen 31-175 Kilogramm wiegen: ausgewachsene Chital und Jährlinge, ausgewachsene Schweine, junge Sambar und Jährlinge und junge Gaur.
Groß:
Beutetiere, die über 175 Kilogramm wiegen: ausgewachsene Sambar und Gaur.
Raubtier-Beutewahl / Beutegröße:
Tiger        : 39% klein, 44% mittel, 17% groß
Leopard  : 48% klein, 51% mittel, 1% groß
Wildhund : 43% klein, 56% mittel, 1% groß
Das durchschnittliche Gewicht der getöteten Beute von den drei Raubtieren beträgt:
Tiger     : 92 Kilogramm
Leopard: 38 Kilogramm
Wildhund: 43 Kilogramm
Die Tatsache, dass jedes Raubtier eine Nische besetzt, zeigt auf, dass es zwischen den Arten der Beutetiere eine gewisse Selektivität gibt. Während der Tiger große und mittlere Arten favorisierte, wählten Leoparden kleine und mittlere Beutetierarten, ähnlich wie die Wildhunde.
Darüber hinaus zeigten Tiger in ihrem Beutezug das Interesse zu ausgewachsenen, männlichen Chital, Sambar und Wildschweinen, Wildhunde zeigten ebenso ihr Interesse auf ausgewachsene, männliche Chital, während Leoparden diese vermieden. Die Studie zeigt, dass das Zusammenleben im Nagarahole Nationalpark auf Wahl und Verfügbarkeit der Beutetiere in der entsprechenden Größenklasse basiert.
Verhaltens- und Jagdtechniken bzw. Muster scheinen ebenso eine wichtige Rolle in der Beziehung zwischen den Arten zu spielen. Die Studie zeigt, dass Wildhunde fast immer am Tag jagen. Wildhunde hetzen oder jagen ihre Beute und dafür bietet das Tageslicht eine bessere Sicht. Außerdem jagen sie vor allem Chital, die tagaktive Tiere sind. Tiger und Leoparden sind mehr die nachtaktiven Jäger, so dass es eine zeitliche Trennung zwischen ihnen und den Wildhunden gibt. Allerdings wurden auch Leoparden, im Gegensatz zu den Tigern, während des Tages beim Jagen gesichtet.
Die Aktivität der Leoparden tagsüber könnte darauf zurückzuführen sein, dass eine Auswahl ihrer Beute die tagaktiven Languren und Chitals sind.
Während Beobachtungen zeigen, dass sich Tiger und Wildhunde sozial dominanter gegenüber Leoparden verhalten, treten gelegentlich auch Fälle auf, in denen Leoparden Wildhunde töten. Trotz dieses Mangels an Klarheit hinsichtlich der Dominanz zwischen den Arten, teilen sich die Raubtiere weiterhin die sich überschneidenden Territorien. Die Topografie des Nagarahole Nationalparks und die dichte Abdeckung durch Sträucher und Bäume reduzieren die direkten Konflikte entstehen dabei zumeist durch die Verteidigung von getöteter Beute oder von Jungtieren und nicht durch die Verteidigung von Territorien.
So lässt sich zusammenfassen, dass ökologische Faktoren wie die Verfügbarkeit von geeigneten Beutetieren (z.B. in der Größe etc.) und Sichtschutz durch hohe Baumdichte von hoher Bedeutung im Nagarahole Nationalpark sind, um eine stattliche Anzahl von Raubtieren aufweisen zu können.
Interessanterweise hat sogar der Volksmund den Tiger niemals zum König des Dschungels gekrönt.
 
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